Schon seit jeher strebt der Mensch nach ewigem Leben und Unsterblichkeit, was sich unter anderem in den vielen verschiedenen Religionen und Glaubensrichtungen der Menschheit widerspiegelt. Erstmals in der Menschheitsgeschichte besteht nunmehr eine realistische Chance, Menschen vor dem endgültigen Tod zu bewahren. Wir befragten eine universitäre Kapazität mit Lehramt und Professorentitel, spezialisiert auf die Gerontologie (Altersforschung) nach dem Begriff der Kryonik:
 
Was ist Kryonik
 
Kryonik ist eine angewandte Form der Kryobiologie. Die Kryobiologie beschäftigt sich mit dem Verhalten lebender Wesen bei Temperaturen unterhalb derjenigen Körpertemperaturen oder Umgebungstemperaturen, bei denen ein optimaler artgemäßer Stoffwechsel möglich ist..
Hierzu gehört z.B. die Absenkung der Körpertemperatur von warmblütigen Tieren unter die normale Körpertemperatur, die man als Hypothermie bezeichnet. Sie spielt eine Rolle für den Winterschlaf und ähnelt den inaktiven Phasen wechselwarmer Tiere.
Hierzu gehört aber auch eine Abkühlung unter die Frostgrenze (Gefrierpunkt von Wasser).
Dabei wird das Verhalten von biologischen Systemen bei Erstarren ihres Zell- und Gewebewassers studiert. Eine Möglichkeit hierzu ist die Beobachtung von Tieren (besonders in den Polarregionen), die regelmäßig im Winter einfrieren, ein Phänomen, das praktisch ausschließlich bei wechselwarmen Tieren auftritt. Die Frostschutzsubstanzen und die Umstellungen im Stoffwechsel, die dies ermöglichen sind im Detail studiert worden.
Eine Anwendungen der Kryobiologie erfolgt seit Langem bei der Aufbewahrung von Zellen, die in Zellkulturen gezüchtet werden. Heute gibt es Zellen, die seit mehr als 4 Jahrzehnten eingefroren sind und nach Auftauen weitergezüchtet werden können. Ebenso gelingt die Aufbewahrung von Gewebeteilchen bis etwa 1 Kubikmillimeter Rauminhalt ganz gut.
Weitere wichtige Ziele, die für die Entwicklung von Medizin und Wissenschaft als unverzichtbar erscheinen, sind die Aufbewahrung von kleinen und größeren Einheiten künstlicher Gewebe für die Heilung von Krankheiten, Wunden und starken Alternsveränderungen. und schließlich die Aufbewahrung von ganzen Organen, die im Moment noch nicht möglich ist. Organ- und Gewebebanken könnten angelegt werden, so dass Patienten nicht lange auf geeignete Organe warten müssen und keine Eiltransporte mehr nötig sind weil das Organ „verfällt“
Die Kryonik im eigentlichen Sinne beschäftigt sich nicht mit der Aufbewahrung von „Reparaturmaterial“ sondern mit der Erhaltung der menschlichen (oder tierischen) Körper selbst, um sie in lebensfähigem Zustand zu bewahren.
Dies wäre beispielsweise für die Raumfahrt von Interesse unter anderem bei Flügen, deren Länge die Lebensdauer des Menschen überschreitet. Die Lösung dieses Problems liegt zurzeit noch in ungewisser Ferne.
Es müsste auch möglich sein, die Körper von Verstorbenen auf die gleiche Art zu konservieren, so dass der weitere Verfall gestoppt wird und sie in einem Zustand verbleiben, der ihre Wiedererweckung zulässt, denn kurz nach dem Organversagen ist  der Körper noch erweckbar. Durch Fortschritte der Medizin sind die Zeiträume, nach denen man Menschen mit Herzstillstand wieder aufwecken kann immer länger geworden. Mithilfe der Kryonik könnte man einen Menschen noch viele Jahre nach dem Herz- und Stoffwechselstillstand wiedererwecken, wenn er rechtzeitig (nicht allzu lang nach dem Versagen der Organe) konserviert wurde. Ein Anhaltspunkt für diese Möglichkeit ist das o.a. jährliche „Einfrieren“ und Wiedererwachen arktischer Tiere.
Die Möglichkeit solcher Verfahren zeigt sich jetzt auch beim künstlichen Winterschlaf. Kürzlich wurden hoch entwickelte Säugetiere wie Schweine und Hunde Stunden nach dem Herzstillstand wieder in das normale Leben zurückgerufen. Ermöglicht wurde dies durch Stilllegen des Stoffwechsels mithilfe von Abkühlung und Entzug von Sauerstoff. Auch nach Erstarren des Gewebewassers bei tiefen Temperaturen steht der Stoffwechsel still (Biostase) und wie arktische Tiere und  Zellkulturen zeigen, kann er bei Aufwärmung und Versorgung der Zellen wieder in Gang kommen.
In der Vermeidung von Frostschäden bei der Kryokonservierung von Geweben wurden in den letzten Jahren so erhebliche Fortschritte gemacht, dass eine Abkühlung von Lebewesen einschließlich des Menschen tief unter den Gefrierpunkt von Wasser mit anschließender Wiederbelebung denkbar wird.
Für das Wiedererwachen von kryonisch aufbewahrten Verstorbenen gibt es aber eine weit größere Barriere. In zivilisierten Staaten sterben Menschen nur dann, wenn ihr Körper so geschädigt ist, dass ihn die Medizin auf dem heutigen Entwicklungsstand nicht mehr reparieren kann.
Eine Rettung könnte es dennoch sein, wenn man den Körper, der zu diesem Zeitpunkt noch überwiegend lebende Zellen hat, aufbewahren würde bis die Medizin gelernt hat seine Schäden zu reparieren.
Die Kryonik ist damit eine Möglichkeit, die Wiederbelebung von Menschen die noch lebensfähig sind lange Zeit (sehr lange Zeit) nach dem Stillstand ihrer Organfunktionen vorzunehmen, zu einem Zeitpunkt zu dem die Medizin gelernt haben wird ihre Todesursache zu heilen.
Die Kryonik muß also zwei Barrieren überwinden zunächst muß man lernen Organe und ganze Körper einzufrieren.und wiederzubeleben.
Zum zweiten muss die Medizin weitere Fortschritte bei der Heilung von Krankheiten und der Bekämpfung des Alterns machen.
Beides liegt im Bereich des Möglichen, ja es ist sogar zu erwarten.
Der Eindruck, dass Kryoniker Tote auferwecken wollen ist also völlig falsch. Es handelt sich um eine (aufgeschobene) Wiederbelebung mit medizinischen Methoden. Sie wissen auch, dass ewiges Leben heute kein realistisches Ziel ist, selbst wenn solche Methoden funktionieren
Heute lassen sich Kryoniker bei tiefen Frosttemperaturen in Biostase halten obwohl die Konservierung noch nicht ausgereift ist und eine Wiederbelebung bisher bei Säugetieren nicht gelungen ist. Dies begründet sich auf die Hoffnung, dass die Medizin lernen wird auch die Schäden, die aus unsachgemäßer Behandlung stammen zugleich mit den Krankheiten zu heilen. Als perfekte Technik ist eine Wiederherstellung Molekül für Molekül denkbar, wie sie die Planer der Nanotechnologie erstmals vorgeschlagen haben.
Die noch Lebenden hoffen auf eine Perfektion der Methode zu ihren Lebzeiten und sind bemüht die Entwicklung zu unterstützen.
Man kann Kryonik als eine vorweggenommene Anwendung kryobiologischer Methoden betrachten, welche die Prüfung der Durchführbarkeit der Zukunft überlassen muss.
Kryonik ist in diesem Sinne keine Wissenschaft. Wohl aber sind viele Kryoniker Wissenschaftler, die sich um die Entwicklung der Kryobiologie und ihre kryonische Anwendung bemühen.
So unterschiedlich die Menschen sind ,  so unterschiedlich auch die Motive für die Kryonik.
Der Auftrag Leben zu bewahren, ist eine Selbstverständlichkeit. Heute kann es passieren, dass ein Angehöriger verstirbt, der wenige Jahre später durch Fortschritte der Medizin hätte geheilt werden können und  seit der Existenz der Kryonik mögen sich die Angehörigen Vorwürfe wegen Fahrlässigkeit  machen, wenn sie diese Möglichkeit nicht genutzt haben.
Daneben haben Kryoniker ähnlich wie Ärzte ganz individuelle Motivationen, sich der medizinischen Entwicklung dieser Methode zu widmen.
Beispiele sind:
# Neugier auf die Zukunft.
# Mehr lernen und sein Lebenswerk vervollkommnen.
# Die Bewahrung des Lebens geliebter Angehöriger, besonders von Kindern, die noch ein langes Leben vor sich haben und deren Erkrankungen (wie bösartige Geschwülste) vielleicht schon bald heilbar sind.
# Die Überbrückung unvermeidbarer Unterbrechungen in der medizinischen Versorgung (in Biostase ist mit dem Stoffwechsel auch der Krankheitsverlauf unterbrochen). Beispiel, Transport nach Amerika zu einem Spezialisten während einer Operation oder Warten auf ein Organ oder lebensrettendes Gerät usw.
# Raumfahrt
# Die Schwierigkeit nichtreligiöser Menschen, sich vom einzigen Leben zu trennen, das sie besitzen.
# Wie überall in der Forschung besteht auch hier die Faszination, medizinische Methoden, die noch vor kurzer Zeit undenkbar schienen, durchzusetzen.
Während die herkömmliche Kryobiologie besonders die Konservierung von Zellkulturen und Blutzellen perfektioniert, haben sich Kryoniker der anfangs fast aussichtslos erscheinenden Konservierung ganzer Organe und Körper zugewandt und hier beachtliche Fortschritte erzielt. Auch die Anwendung der Methoden auf Verstorbene hat zu Erfahrungen geführt, die die Medizin heute nur auf diese Weise erwerben kann und die erheblich zum Fortschreiten medizinischen Wissens beitragen.